Tenzing Norgay

Dokmo Kinzom befand sich gerade auf einer Pilgerreise von ihrem nepalesischen Heimatdorf Thame zum Kloster Ghang Lha, als sie ihren Sohn zur Welt brachte. Weder der Geburtsort noch das genaue Datum sind bekannt. Ihren Sohn nannten die Eltern Namgyal Wangdi. Auf Anraten des Lamas Ngawang Tenzin Norbu wurde der Name später in Tenzing Norgay geändert.

Was Tenzing Norgay wusste war, dass er Ende Mai geboren wurde. Nach seiner erfolgreichen Everestbesteigung am 29. Mai 1953 entschied er sich, seinen Geburtstag künftig am darauffolgenden Tag zu feiern.

Anhand des tibetischen Namens "Tenzing" wird angenommen, dass Tenzing Norgay nicht in Nepal, sondern in Tibet, wahrscheinlich in Moyey, einer kleinen Ansiedlung in der Nähe des Dorfes Kharta, geboren wurde.

Bereits in jungen Jahren riss er mehrmals heimlich in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu aus. Mit neunzehn zog er ins nordindische Darjiling. Hier fand er seine erste Frau und heiratete sie.

Weil Ausländern zu dieser Zeit der Zugang zu Nepal verwehrt blieb, starteten die ersten Everest Expeditionen von Darjiling aus ins benachbarte Tibet, um den Berg über die Nordseite zu besteigen.

Unter dem Engländer Eric Shipton bekam Tenzing Norgay die Gelegenheit als Hochträger an seiner ersten Everest Expedition teilzunehmen. Er bewährte sich und wurde prompt in den darauffolgenden Expeditionen angestellt. Doch es bedurfte noch mehrerer Jahre harte Arbeit und etlicher gescheiterter Expeditionen bis für ihn der Gipfel des Mount Everests in greifbare Nähe kam.

Nachdem Nepal seine Grenzen öffnete, während Tibet in Folge der Invasion der Chinesen gesperrt wurde, waren nun Expeditionen von Süden über das Khumbutal möglich. Gemeinsam mit dem Schweizer Raymond Lambert gelang Tenzing Norgay 1952 ein Höhenrekord und Achtungserfolg - beide scheiterte nur wenige hundert Höhenmeter unter dem Gipfel.

Ein Jahr später war es so weit und das lange angestrebte Ziel wurde schließlich erreicht. Am 29. Mai 1953 standen der Neuseeländer Edmund Hillary und Tenzing Norgay um 11.30 Uhr für etwas mehr als eine Viertelstunde auf dem Gipfel des mit 8850 Metern höchsten Berges der Welt.

Nach ihrer Rückkehr vom Berg wurden beide Bergsteiger in der ganzen Welt frenetisch gefeiert und mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäuft. Trotz des Erfolges und des damit einhergehenden Ruhmes blieben beide die bescheidenen Menschen, die sie zuvor waren.

Tenzing war Zeit seines Lebens ein intelligenter Mann. Er sprach mehrere Sprachen fließend. Schreiben lernte er jedoch nie.

1986 starb Tenzing Norgay an einer Gehirnblutung in Darjiling. Der Trauerzug bei seiner Beisetzung erreichte eine Länge von über einem Kilometer. Tenzing Norgay war längst ein Volksheld geworden.

Inzwischen haben Söhne beider Erstbesteiger ebenfalls den Mount Everest erklommen. Ein Enkel Tenzing Norgays stand bereits Dreimal auf diesem Gipfel.